
Yvonne Schöllhorn
Redakteurin & Autorin
Lieber Markus Lanz,
Sie sind der brillanteste und menschlichste Talkmaster ever, im deutschen Fernsehen. Daran gibt es nichts zu rütteln oder zu kritisieren. Sie sind der Meister des Gesprächs. Immer! Dass Sie sich jetzt mit einem „weißen Gespenst“ an Ihrer Seite präsentieren, also mit Ihrer neuen Partnerin ohne Gesicht zeigen, genauer gesagt, fotografisch gezeigt werden, hat mit Ihrer Motivation, manche nennen es Wahn, Ihr Privatleben schützen zu wollen, zu tun. Sie agieren diesbezüglich schon lange und immer wieder mit anwaltlicher Unterstützung. Erstaunlich erfolgreich. Bislang.
Beim ersten Anblick der geweißten und nicht wie sonst geschwärzten Fotos beim gemeinsamen Joggen musste ich schmunzeln, weil diese in unserem Land der Pressefreiheit absurd wirkenden Bilder an eine Ganz-Körper-Verschleierung (Burka, Niqab) von Frauen nicht-deutscher und nicht-christlicher Prägungen erinnern, die die pure Unterdrückung und Diskriminierung wie Diskreditierung der Frau darstellen, aber nein, es geht um Sie und, nach Ihrer Scheidung von Angela Lanz, vormals Gessmann, eine, Ihre, neue Liebe, die nicht publiziert werden darf, ergo nur als eben weiße Umrandung auf einem sonst „normalen“ wie unauffälligem Szenen-Bild beim Sport im öffentlichen Raum im Grünen in Hamburg publiziert, weil Sie dies möchten und veranlasst haben und, diesem auch nachgegangen wird. Das schmälert Ihre Souveränität und Ihr Niveau dahingehend, dass Sie über Ihre Freundin entscheiden, wie und wo und was in welcher Form über diese dokumentiert und veröffentlicht werden darf, was weder gleichberechtigt noch modern noch partnerschaftlich-demokratisch wirkt, selbst, wenn Ihre Partnerin Ihrer Vorgehensweise zustimmte, was ja wiederum neue Fragen aufwerfen würde.
Ich kann Sie, lieber Markus Lanz, einerseits verstehen, weil der Schutz der Privat- und Intimsphäre ein hohes Gut in Deutschland ist, dennoch spricht es nicht von Größe, wenn Sie selber in Ihrer Show Ihren Gästen in alle möglichen Öffnungen blicken und vor nichts Scheu haben, was die idealsten und besten Voraussetzungen für ein perfektes, journalistisches Agieren ermöglicht, wenn Sie, als Mensch der Öffentlichkeit, in der Öffentlichkeit nicht zu Ihrem Privatleben stehen wollen, was ja letztendlich auch nur eine Frage der Zeit ist, bis alles herauskommt und auch gedruckt und dokumentiert werden darf. Wir erinnern uns an Ihre Hochzeit in Ihrer Südtiroler Heimat, wo Sie auch ein seltsames Gebaren zum Ablauf und speziell, was Ihre Ehefrau betraf, hatten. Sicher gehören immer Zwei dazu, Frau wie Mann, doch zu artikulieren, „ihr werdet meine Braut nicht zu Gesicht bekommen“, hängt bis heute seltsam nach. War es würdevoll, war es sinnvoll, war es notwendig, wie fühlte sich Angela damit, würden Sie es bei Ihrer nächsten Hochzeit wieder so oder ähnlich durchführen?
Unter Journalisten sowie in Redaktionsräumen, speziell in Konferenzen, existieren die bizarrsten und ungewöhnlichsten Eitelkeiten, Macken und Obsessionen und Ausuferungen – es gibt nichts, was es nicht gibt. Und, auch noch so angeblich uneitle Menschen besitzen irgendeine Eitelkeit oder einen Tick, mal mehr, mal weniger offensichtlich oder grenzüberschreitend, das ist nichts Besonderes oder Überraschendes im Medien-Genre. Es ist Standard. Wir alle sind Ver-Rückte! Was Ihnen allerdings wichtig ist, worauf Sie Wert legen, lieber Markus Lanz, wirkt unreal, ja surreal.. Ähnlich wie zum Beispiel eine Szenerie eines Spitzen-Politikers, der für ein hohes Amt nominiert ist, und sich dafür, im Wahlkampf, am sonntäglichen Frühstückstisch mit Ehefrau, Kindern, Hund und Hamster vom Boulevardfotografen happy ablichten lässt, während er bereits parallel mit seiner Zweitfrau die neue Lebensphase plant, die ihn nach dem showy coffee-Foto-Shooting bereits sehnlichst im Dritt-Refugium erwartet. Dieses Beispiel hat nichts mit Ihrer Privacy zu tun; es geht nicht darum, Sie, lieber Markus Lanz, auf irgendetwas hinzuweisen oder Sie gar belehren zu wollen, es geht schlicht darum, dass das Geheimhalten bzw. das Wollen, der Wille zur Geheimhaltung, Sie, als „Menschen-Star“, unauthentischer dahingehend macht, dass Sie Ihre Gesprächsgäste in Gänze entblößen, was ich liebe, weil Sie es stets perfekt machen, Sie sich selber respektive Ihre Frau (-en) jedoch medial verstecken möchten, was ja auf Dauer ohnehin nicht gelingen kann und Ihnen klar ist. Andererseits ist es eine hohe Kunst, dies zu beherrschen und auch mutig mit juristischer Hilfe vorzugehen. Aber es hat ein komisches „Geschmäckle“..und dieses hätten Sie nicht notwendig. Als Mann. Sie sind ein Feminist, oder?
Im „Stern“ entblößten Sie sich unlängst auf sehr geschickte, menschlich-noble Art, in dem Sie beispielsweise über Ihre (Existenz-) Ängste, Ihre Kindheit, Ihre Eltern und das Altern, Ihre Prägungen und Ihre vergangenen Schönlings-Attribute plauderten und, dass Sie so schlecht mit Obrigkeiten seien – verbal-meisterhaft-menschlich. Das war sehr souverän und offen-ehrlich, Mister Lanz! Auch, dass Sie keinen Porsche brauchen, keinen Champagner auf Sylt, kein Käferzelt auf dem Oktoberfest! Sondern, dass Sie Selbstbestimmung priorisieren! Und Freiheit. Das war groß! Hier sollten Sie auch im Umgang mit Frauen ansetzen! Bei der Selbstbestimmung der Frau. Weg von Ihrem männlichen Blickwinkel. Ihre Perspektiven reflektieren.
Kennen Sie den Spruch: „Zeige mir die Frau eines Mannes und ich sage Dir, wer der Mann ist“? It takes two to tango..always.. Lieber Markus Lanz, bitte sprechen Sie alsbald ausführlich-tiefgründig-psychologisch über Ihre neue Partnerin mit und bei Richard David Precht – da müssen Sie Ihre Liebste noch nicht zeigen (wäre auch nach „Wann ist ein Mann ein Mann?“ nicht ganz unpassend) – und danach veröffentlichen Sie bitte freiwillig und eigenständig ein Foto von sich mit Ihrer neuen Frau, auf dem sie sich beide explizit gefallen; das hätte Größe und wäre auch weniger albern wie Ihr Versteckspiel bis dato! Oder laden Sie Ihre Neue einfach als alleinige Gästin in Ihre Sendung ein…
