Yvonne Schöllhorn

Redakteurin & Autorin

Liebes Mitbürgertum der verrichtenden Notdurft im öffentlichen Raum und bei Veranstaltungen,

Foto: Werbepunkt

neulich in einer sommerlich-grünen Klein-Oase hinter einem herrlich erfrischend plätschernden Brunnen, bei 33 Grad, an einem renommierten Platz zwischen gut gekleideten Frauen und Männern, Behörden und diversen Offices mitten in einer großen Stadt Bayerns, beobachtete ich folgende Szenerie: Ein Grundschul-Junge uriniert im Beisein seiner Mutter 40+ ungeniert ins kniehohe Gebüsch des öffentlichen Platzes, der rundum einsehbar ist. Am helllichten Tag. Keiner in nächster Nähe echauffiert sich darüber – außer mir; ich ziehe es vor, einparkend vom Auto aus, aus einem Meter Entfernung Mutter und Kind nicht zu fotografieren und nicht der Polizei zu übermitteln, auch bin ich nicht „in the mood“, die Erziehungsberechtigte maßzuregeln. Ich mag keine Maßregelungen! Denn jeder Mensch weiß oder sollte zumindest wissen, was er tut.. Ich verweile kurz am Steuer und schaue weiter fassungslos zu: Der Bub „pullert“ langsam im Stehen weiter, als säße er gemütlich zuhause auf seiner Toilette. Wobei bei diesem unkultivierten Gebaren, der Junge wahrscheinlich keine Kenntnis infolge seiner unzureichenden Kinderstube davon hat, dass Mann sich hinsetzt und jedwede Spuren danach selber und eigenständig entfernt. Als er fertig ist, fragt er seine Mutter: „Haben wir Papier, Mama?“ Die Mutter antwortet: „Wedel auf und ab.“ Dann kommt der Vater dazu: „Können wir jetzt weiter?“ und zerrt den Buben am Arm zu sich her, während dieser noch damit beschäftigt ist, seinen Reißverschluss zu schließen. Armer Kerl – wie soll er wissen, wie er sich zu benehmen hat, wenn ihm seine Eltern nichts Entsprechendes vorleben? Er, ich würde sagen, ein Erstklässler, war der Stilvollste in diesem Moment, mein Eindruck war, ihm war es fast peinlich und er schämte sich für seine Mutter. Mach’s besser als Deine Herkunftsfamilie, kleiner Mann, möchte man ihm zurufen und lerne aus dem Negativen Deiner Mama…

Ja, wir haben zu wenig öffentlich zugängliche Toiletten – schon lange, aber haben Sie schon mal Mädchen und Frauen öffentlich urinieren sehen? Ich noch nie! Ich sehe immer nur männliche, widerlich anzusehende Wild-Pinkler, was ja verboten – von Bußgeld (50 bis mehrere Hundert bis zu 5000 Euro) bis Straftat (Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr) – ist, und das Unter-Unter-Niveau eines Mannes darstellt! Das ist ganz unten… Ja und, wenn es Toiletten gibt respektive diese aufzufinden sind, sind sie zu 90 Prozent verdreckt, kontaminiert, unsaniert, ohne Papier und ohne Seife oder schlichtweg nicht begehbar, teils auch an Autobahnen, wo sie noch dazu kostenpflichtig sind, was ja in sich schon ambivalent ist, wenn man dringend auf die Toi muss und ohne Geld oder Karte gar nicht erst reinkommt.

„Rettet die Frauen-Klos!“ lautet die Headline einer aktuellen Story in der „Emma“ auf Seite 60/61, die sich in die Debatte um die Abschaffung der Toiletten für Frauen einklinkt, und sich zu Recht für die Beibehaltung letzterer einsetzt, denn die Bau-MinisterInnen der 16 Bundesländer sind kurz davor, die separaten Frauentoiletten abzuschaffen. Nein, das ist kein Joke, auch keine Comedy, sondern eine gestörte Realität mitten in Deutschland! Genauer gesagt in dem unschönen Unwort namens „Musterversammlungsstättenverordnung“ verankert und einem neuen Entwurf, in dem der Satz fehlt, der zwingend getrennte Toiletten für Frauen und Männer bei Veranstaltungen vorschreibt und auf der Bauministerkonferenz am 10./11. September 2026 verabschiedet werden soll. Soll!

Je mehr ich mich in dieses Thema eingelesen habe, desto schwindeliger wurde es mir! Haben wir sonst keine Probleme in der Bundesrepublik? Doch haben wir! Viele. Zu viele. Unter anderem und offensichtlich mit dem Raum für den ungestörten Urin- und Fäkalien-Abgang bei Veranstaltungen. Dieses „Toiletten-Desaster“ wäre total simpel zu lösen, indem wir einfach folgende Toilettenbereiche beibehalten und neue schaffen, baulich auch ein bisschen voneinander getrennt, zwecks der Ruhe und der Exklusivität gefolgt von der Intimsphäre: kostenfreie Frauentoiletten, Kategorie mit und ohne Menstruation, Kategorie mit und ohne Klimakterium, Kategorie mit und ohne Hilfsmittel, Kategorie mit und ohne Tier, Kategorie mit und ohne Kinder, Kategorie mit und ohne Damenklatsch, Kategorie mit und ohne beheizbarem Sitz,  Kategorie mit und ohne Softdrink, Kategorie mit und ohne Entspannungmusik, Kategorie mit und ohne Bidet, Kategorie mit und ohne Relaxliege, Kategorie mit und ohne Schmink- und Parfume -Séparée, teuere Männertoiletten, gebührenpflichtige Diverstoiletten, eintrittspflichtige Wildpinklertoiletten mit Crashkurs in Etikette und zu Spenden aufgerufene Sonstigetoiletten. Wer sich auch in diesen genannten Kategorien nicht wiederfindet, darf gerne in den Bereich „Katheter-und Windel-Extra mit Pflege-Boy-Nanny“ wechseln, kostenfreie Anleitung und Nutzung vor Ort inklusive. Ich finde, das wäre mal zur Abwechslung Kategorien-liberal und eine sinnvolle Investition von Steuergeldern…

Übrigens: Der Versuch, die Damentoilette abzuschaffen, ist nicht neu: 2022 hatte der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) seine Richtlinie für Sanitärbereiche novelliert und darin eine geschlechtsunspezifische Nutzung im Rahmen eines Universaldesigns empfohlen – mit der Einführung des dritten Personenstands des Gesetzgebers sei es eben eine Toilette für alle. Weil 2022 genau 2.228 (!) Personen (!) in Deutschland mit dem Geschlechtseintrag „divers“ registriert waren, sollten nun 52 Prozent (Frauen) der Gesamt-Bevölkerung von 83,5 Millionen (42,3 Millionen Frauen und 41,2 Millionen Männer – Statistisches Bundesamt), auf getrennte WCs verzichten. Diese Aktion scheiterte. Gott sei Dank. Die Initiative „Geschlecht zählt“ schlug damals Alarm – der VDI mache sich die Forderungen der Transgender-Aktivisten zu eigen und vergesse die Sicherheit von Frauen und Mädchen. „Bild“ und „Emma“ berichteten, der VDI wurde mit Protestmails geflutet. Schließlich musste der VDI die Richtlinie ändern. Es sei gut denkbar, dass auch dieses Mal die Trans-Lobby der Floh im Ohr gewesen sei, laut Emma. Denn schon spricht der Chef des Europäischen Verbandes der Veranstaltungs-Centren (EVVC), René Tumler, in der „Welt“, davon, dass auch Menschen außerhalb der binären Geschlechterordnung berücksichtigt werden sollten.

Die Initiative „Was ist eine Frau?“, von Aktivistin Rona Duwe Ende 2024 gegründet, macht deshalb derzeit mobil – mit Musterbriefen an die Bau-Ministerien, die im Netz für jedes Bundesland konzipiert zur Verfügung stehen (was-ist-eine-frau.de / Dialogplattform für Frauenrechte). Gemeinsam mit der Kulturwissenschaftlerin Isabel Rohner fordert sie die Beibehaltung der expliziten Pflicht zu getrennten Toiletten für Frauen und Männer in Versammlungsstätten. Getrennte WCs seien „kein nostalgisches Relikt, sondern eine grundlegende Voraussetzung für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Mädchen im öffentlichen Raum“; sie wurden Ende des 19. Jahrhunderts von Frauenrechtlerinnen hart erkämpft, damit Frauen sich frei, sicher, hygienisch und selbstverständlich in der Öffentlichkeit bewegen können; diese Errungenschaft dürfe nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. Auch, so Juristen, gehe es um den Schutz der Intimsphäre und die persönliche Sicherheit. Dieser Schutz ist im allgemeinen Persönlichkeitsrecht integriert; hinzu komme die staatliche Schutzpflicht für die körperliche Unversehrtheit (Art.2 Abs.2 GG) sowie der Auftrag aus Art.3 Abs.2 GG, tatsächliche Nachteile von Frauen zu vermeiden. „Unisex-Toiletten führen nachweislich dazu, dass Frauen und ihre Kinder und Mädchen solche Orte eher meiden, so die Initiative. Und weiter: „Wer Frauenrechte ernst nimmt, muss auch die Infrastruktur schützen, die ihre Bewegungsfreiheit ermöglicht“ – Frauentoiletten seien ein wichtiges Stück Gleichberechtigung.

So ist es! Allein schon die Diskussion über Toiletten und, diese nicht mehr in der bisherigen Form zu betreiben, ist gänzlich Sinn-entleert und Lebens-fremd!

Jetzt muss ich mich entschuldigen – ich muss mal, unausweichlich-dringend….