
Yvonne Schöllhorn
Redakteurin & Autorin
Liebe CDU/CSU,
das Wichtigste in eurem Parteinamen ist das C – die Tatsache, dass es in Deutschland überhaupt noch eine Partei gibt, die sich um diese christlichen Werte bemüht und einsetzt, sollten wir mehr zelebrieren in dem Sinne, dass wir, als Deutsche in unserer Demokratie, sie tagtäglich auch leben und verstärkter zum Ausdruck bringen sollten, von Mensch zu Mensch, pro Mensch, für uns selbst und vor allem mit Anderen, für unsere gesamte Gesellschaft, als menschlichen Komplett-Auftrag, mit Würde. Euere Haltung zur Leihmutterschaft kann toleriert werden, muss aber nicht. Eure Haltung zur Abtreibung und im Paragraphen 218 ist inakzeptabel und bleibt es auch weiterhin. In der Leihmutterschafts-Debatte um Jens Spahn und seinen Ehemann Daniel Funke, in der Kanzler Friedrich Merz den unverzüglich zurückgetretenen Fraktionsvorsitzenden Spahn in seiner Person und seiner Kommunikation scharf angegangen hat, herrscht – im Gegensatz zu Hendrik Streeck, der ja auch erst vor wenigen Monaten mit seinem Mann Paul Zubeil ein Baby durch eine Leihmutter in den USA bekommen hat und mit dem so gut wie keiner ein Problem hatte – zu viel Wirbelwind um Spahn als Person selber. Ob Menschen lesbisch oder schwul sind oder nicht, ist nicht entscheidend, sondern, dass sie ebenso wie Hetero-Paare einen Kinderwunsch haben, und diesen erfüllt haben möchten.
Ich vermisse in solchen Diskussionen, dass die Erzeugerschaft eine ernsthafte Reflexion pro Kind wie auch pro Leihmutter zulässt. Weil, wäre dies der Fall, würden diese Neu-Eltern sich nicht ausschließlich am Bekommen eines Babys festbeißen, sondern intensiv und lange darüber nachdenken und bewusst reflektieren, was ihr ganz persönlicher Wunsch mit den daran Beteiligten macht und, ob sie nicht die Schöpfung so akzeptieren könnten, wie sie sich für sie individuell, in ihrem Leben, im Hier und Jetzt, zeigt. Im Fall Spahn: Zwei Männer, die sich lieben und zusammen ihren Lebensweg beschreiten – von Natur aus ohne Gebärmutter.
Das Kind im Bauch einer unbekannten, irgendwo organisierten und gekauften Leihmutter mit zwei homosexuellen Vätern hätte ich selber nicht sein wollen, weil ich dies als unnatürlich wie ethisch grenzwertig angesehen hätte. Margot Käßmann, frühere Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland, findet hierzu ebenso deutliche Worte: „Ein Kind kann niemals eine Ware sein, die ich per Vertrag bestelle.“ Leihmutterschaft ist ein Geschäft, mehr als 15 Milliarden Dollar werden pro Jahr verdient und bei den austragenden Frauen kommt der geringste Teil davon an, meist aus wirtschaftlicher Not lassen sie sich darauf ein. „Spahn wie Streeck müssen das mit ihrem Gewissen, mit ihrem Glauben und und mit ihrer Partei ins Reine bringen.“ Und Käßmann ermahnt: „Bitte adoptiert doch Kinder, viele warten darauf.“
Ich kann den Wunsch von Männern und Frauen nach Elternschaft verstehen, verstehe dennoch nicht, warum das für zwei Männer so wichtig sein kann und warum diese nicht schlichtweg sich selber so annehmen können, wie sie eben sind – ohne eigene Fortpflanzung. Ich verurteile auch nicht die Leihmütter, die sich für andere opfern und nur einen Bruchteil der Gesamtausgaben für das Bereitstellen ihrer Gebärmutter erhalten. Um es an einem Beispiel der Leihmutterschaft in den USA zu benennen: Von 200.000 bekommt die Leihmutter lediglich 30.000 bis 70.000, der Rest geht für Agenturen, Vermittlung, Juristen und Behörden drauf, so wird geschätzt. „Wir werden das nicht verhindern können, die Menschen gehen dorthin, wo sie bekommen, was sie unbedingt haben wollen. Hören wir auf mit diesen sinnlosen Verboten und Tabus“, fordert jetzt der Philosoph Wilhelm Schmid in der repetitiv aufgekommenen Debatte von Pro und Contra Leihmutterschaft.
Ich persönlich wäre schon längst für das Gebären der Männer – was medizinisch schon längst mit einer synthetischen Gebärmutter ginge oder mit Hilfe einer externen Gebärmutter (Ektogenese, Robo, Aquarium) – siehe meinen Blogbeitrag vom 4. März 2026 -„99 Worte“ -, da dies endlich die endgültige Freiheit der Frau bedeutete und eine neue Gesellschaft, eine gleichberechtigtere, formierte.
Was ich bei der Leihmutterschaft viel schwieriger finde, ist, dass dem Embryo ja qua Zeugung alles an Natürlichem – wie Liebe, Zuneigung, Wärme und das Mitfühlen – fehlt. Die pränatale Forschung steckt noch in den Kinderschuhen, aber die Kinderpsychiaterin Dr. Inés Brock-Harder sagt: „Während der Schwangerschaft entsteht häufig eine Bindungskühle, weil die austragende Mutter versucht, keine enge Beziehung zu dem Kinnd aufzubauen und nicht mit ihm zu kommunizieren. Das Kind spürt diese Distanz. Nach der Geburt kommt dann das Trennungstrauma hinzu: Der vertraute Ort, die Stimme, der Geruch – all das, was das Kind nach der Geburt erwartet, ist plötzlich nicht mehr da. Dieses Trennungstrauma trägt das Kind nach meiner Auffassung ein Leben lang mit sich.“ Und: „Oft wird das gar nicht offen kommuniziert, weil Leihmutterschaft in Deutschland nach wie vor verboten ist – auch, wenn sie im Ausland in Anspruch genommen wurde. Dadurch entsteht häufig ein Familiengeheimnis, und das Kind erfährt nichts über seine Herkunft. Das Wissen um die eigene Abstammung ist aber zentral.“
Schon deshalb, liebe CDU/CSU, ist es fundamental für unser Parteien-System, dass sich das Christliche zeigt und widerspiegelt, mitten unter uns. Obwohl Spahn für sich in Anspruch genommen hat, was in Deutschland nicht erlaubt ist, ist und bleibt er ein Christ! Ein mutiger.
Als Christin bin ich der Meinung, auch, wenn noch immer zu wenig in die Forschung der pränatalen Entwicklung investiert wird, dass sich die unsterbliche Seele selber ihren Weg bahnt – und dass, der Embryo von der ersten Sekunde an alles fühlt, aufnimmt und mitbekommt und auf einer höheren Ebene mit seiner Mutter und seinem Vater bewusst und gewollt verbunden ist – nicht zuletzt aus diesem Grund ist die kommerzialisierte Leihmutterschaft schöpferisch wie auch im echten Leben in Frage zu stellen, da sie nicht der wahrhaftigen Liebe entspringt, aber wer weiß, vielleicht ist sie der auf natürlichem Wege näher als wir zu denken vermögen, denn: Die Seele sucht sich bekanntlich selber aus, wo hinein sie geboren werden möchte, manche sagen sogar, der zukünftige Fötus baue schon rein energetisch-geistig vor der Zeugung eine Beziehung zur werdenden Mutter auf, was wiederum im Umkehrschluss hieße, auf Mutter und Kind komme es einzig und allein an, der Vater sei zweitrangig. Unabhängig davon, was man glaubt oder von was man überzeugt ist, liegt es an uns, allem neues Leben einzuhauchen. Dass dies auch ohne, sich selber fortzupflanzen, möglich ist, durch zum Beispiel Kreativität, Spiritualität und schöpferisches und geistiges Wirken, erklärt sich von selbst. Der Planet ist ohnehin überbevölkert – eine fortpflanzungsfreie Zeit täte ihm bestimmt, zur Abwechslung, sehr, sehr gut…

Foto: Privat