
Yvonne Schöllhorn
Redakteurin & Autorin
Lieber Dr. Florian Freund,
endlich (!) leuchtet die Sonne (!) wieder strahlend hell, progressiv und vor allem männlich-smart-attraktiv und vielversprechend menschlich-offen-futuristisch in meiner Fuggerstadt – noch nie zuvor habe ich mir einen politischen Wechsel so herbeigesehnt wie dieses Mal! Nicht, weil ich sonst eine große Befürworterin der Roten wäre; auch nicht ausschließlich aufgrund der Tatsache, dass in unserer einst wundervollen (long time ago..) Innenstadt so ziemlich alles leblos, ja tot, erscheint und wiedergeboren werden muss, wie Phoenix aus der Asche, sondern weil ich die unemotionale und kalt-distanzierte Art- und Wirkungsweise von Eva Weber als Mensch und Politikerin zunehmend als unpassend, unempathisch und wenig Ziel-führend pro Augsburg empfunden habe, um die drittgrößte Stadt Bayerns überhaupt voran und vielleicht auch demnächst oder zumindest und hoffentlich irgendwann wieder auf die Überholspur bringen zu können, hier, vor Ort, in Bayern, im gesamten Bundesgebiet und darüber hinaus. Da halfen auch die professionell inszenierten Wahl-Fotos, die Eva Weber auf einen selbst gestalteten „Königinnen-Thron“ katapultiert haben, abgesehen von einem Bild, auf dem sie wie auf der Toilette sitzend wirkt, also, ein „Klo-Gang“ der anderen Dimension sozusagen, am Ende wenig. Da kam bei mir nichts rüber, sie konnte mich mit nichts berühren! Weder früher, vor ihrer Oberbürgermeisterinnen-Tätigkeit, noch im jetzigen Wahlkampf. Politiker müssen dran sein am Menschen, an seinen Themen, am Leben, an den sozialen und gesellschaftlichen Wende- und Brenn-Punkten, an der Gegenwart und insbesondere an der Stadt-Gesellschaft und an der Zeit, die stets sekündlich, im Jetzt beginnt! Sie müssen oder zumindest sollten diese ein Gespür haben, eine Leidenschaft für alles Zwischenmenschliche – Weber präsentierte sich immer gleich und meiner Meinung nach immer gleich langweilig und vorhersehbar und zudem zu technisch-sachlich und Volks-fern, was die Authentizität, Wärme und Liebe zu einem solchen Amt und in erster Linie zu den Bürgerinnen und Bürgern betrifft – da hat sie fortwährend versagt und nicht erst seit dem Abend der Stichwahl, wo sie sich die Tränen verboten hat und as usual nur funktioniert hat! Sie hat sich selber vor sich selber versteckt und geschützt. Immer. Das war ein Fehler. Sie wirkte oft innerlich maskiert, als hätte sie Angst vor der Welt. Oder gar vor Menschen. Auch bereits vor ihrer Amtszeit, wenn sie zu Persönlichem gefragt wurde, wich sie aus, was ein No-Go ist, weil es eine Form von Unfähigkeit widerspiegelt, auf die eine Politikerin und ein Politiker in der Regel zu parieren weiß, ob nun mit Fakten, Humor, Ausstrahlung, Klugheit oder Wahrhaftigkeit; ob die Fragen nun ein Freund, ein Feind, Bürger oder Journalisten stellen. Diesen Fehler hätte sie selber beheben können. Man kann immer und jeden Tag ändern, verändern. Ich bin immer für Frauen, aber diese OB entpuppte sich als Fehler für Augsburg und das bei ihrem familiären Background – ihr Vater ist der frühere Staatssekretär Alfons Zeller – und der kontinuierlichen politischen Förderung auch durch Dr. Kurt Gribl, ihren Amtsvorgänger.
Sie, lieber Florian Freund, haben es gemeistert, am Herzschlag der Menschen zu sein! Und zwar in kürzester Zeit und mit menschlicher Größe und zugleich Bescheidenheit (wer in der Politik beherrscht das wirklich?) gepaart mit Unaufgeregtheit, einprägsamen, nicht überzogenen Inhalten und einer positiv-leichten, nicht minder tiefen wie starken Kunst und Kraft aus Ihrem Inneren sprudelnd, dass sich die Wählerschaft bewusst in der Stichwahl mit beachtenswertem Ergebnis (Bravo!) für Sie entschieden hat – dies zeigt auch, wie bewusst Demokratie gestaltet werden kann und, dass die Wahlberechtigten mitnichten zu wenig Handlungsspielräume haben, wie oft geteilt wird. Ich bin froh, auch, wenn eine höhere Wahlbeteiligung natürlich besser gewesen wäre, in einer Demokratie und in einem freien Land (auch, wenn es immer weniger frei daher kommt..) immer wieder aufs Neue kreieren und gestalten und entscheiden zu können! Sie machen Mut, lieber Freund! Ihnen vertrauen die Bürgerinnen und Bürger. Schon ein Mal gab es ein Mut machendes, schillerndes SPD-Oberbürgermeister-Ehepaar, Bärbel und Dr. Paul Wengert, die von 2002 bis 2008 Augsburg innerlich wie äußerlich aufgemischt haben! Bärbel Wengert hat den Status und die Funktion der First Lady revolutioniert und zwar menschlich und ehrlich und hat mir damals intimste Details aus ihrem Leben, auch ihrem Eheleben, und wie sie tickt, beim Ladiestalk zu zweit verraten – dabei rauchte sie immer genüsslich, zog sich auch mal spontan vor einem um, führte ausgiebig durch die Augsburger Stadtwohnung inklusive Schlafgemach und Küche oder das Haus, ihr familiäres Eigenheim in Füssen, hatte immer eine eigene Meinung fernab des Polit-Theaters, die sie direkt kommunizierte, und lud zu Kaffee ohne Kuchen. Dagegen erschien der kühle, meist blutleer-wirkende Nachfolger von ihrem „Paule“, Dr. Kurt Gribl, inklusive seiner ersten Ehescheidungsschlacht (mit Susanne) und seiner zweiten Ehefrau (Sigrid, vormals Einfalt), die immer nur „Frau OB“ werden wollte, im Rückblick auch wieder sehr unemotional – keine, auch im Nachklang, fühlbare Wärme, Null Vibes, Null Offenheit, Null menschlich-sichtbare Gefühle. Letzteres ist nichts CSU-Spezifisches, aber es fällt auf, dass in unserer Stadtpolitik, an oberster Spitze, zu lange das Menschsein (Dr. Peter Menacher und Ehefrau Inge und auch Hans Breuer und Ehefrau Sieglinde waren da schon noch andere Kaliber der Politik, des Stils, des Niveaus und der Society in ihrer jeweiligen Zeit..) vernachlässigt wurde, was sich auch im desaströsen Gesamtzustand von Augburg zeigt. Viel zu tun in der neuen Stadtregierung die nächsten sechs Jahre!
Lieber designierter Oberbürgermeister Florian Freund, ich neige keineswegs zum Schwärmen oder gar zur Bewunderung, was Politiker und Männer (!) angeht, aber bei Ihnen mache ich liebend gerne eine Ausnahme! Ihr Nachname allein ist schon Programm, Ihre Initialen FF sind quasi schon ein perfektes Omen, die spürbare Harmonie zu und mit Ihrer Ehefrau Marei (Sozialwissenschaftsstudium und Politikberaterin) und Ihren drei Kindern (Ihr Vier-Mäderl-Haus in Göggingen) wie auch Ihre geerdete Haltung und Ihre Aura werden Ihnen sicherlich große, breite Flügel verleihen, um die Friedensstadt mit ihrer über 2000-jährigen Historie auf ein ihr gebührendes Level zu verhelfen – Sie schaffen das! Weil Ihre Seele ungeniert durch Ihre Reh-braunen Augen flackert und sich dürstet nach Umsetzung und Ihr Herz pocht – Sie sind mit Ihren 47 Jahren noch immer ein Junge, ein junger Wilder, einer, der Menschen und Mächte, Tradition und Moderne, Zahlen und Zonen vereinen kann – der richtige Mann zur richtigen Zeit in der richtigen Stadt! „Ich liege und schlafe und erwache; denn der Herr hält mich“. Mit Ihnen, lieber OB Freund, wachen die Augsburgerinnen und Augsburger wieder auf. Sorgen Sie dafür! Und, bitte pflanzen Sie endlich Bäume, nicht nur Bäumchen, geben Sie Flächen nicht nur für das Wohnen, Business und Habitate frei, sondern für neue Parks und grüne Kraft-Ort-Oasen inmitten des Zentrums, dann müssen die Leute nicht auf Friedhöfen ihre Runden drehen, befreien Sie die Stadt von Müll und Unrat, verschönern Sie das gruselig-fremde Stadtbild (Ansage von Bundeskanzler Merz) inklusive Kopf-bedeckter, vermummter Frauen (ein Angriff auf unsere Freiheit!), insbesondere in der Bahnhofstraße, und machen Sie endlich einen fröhlichen, Menschen verbindenden Pracht-Boulevard mit Frankreich- und Italien-Flair aus der Fuggerstraße! Die Diskussion um diesen ist so alt wie meine verstorbene Uroma! Die Zeiten aus Tristesse, Beton und nicht vorhandenem, ungelebtem Life-Style sind vorbei – Erleuchtung zwischen Königsplatz und Staatstheater ist angesagt – mit Kultur-Catwalk, St. Anna-Open-Air-Events, hippen Cafés und Tages-Bars mit To-Gos, Blumenvielfalten, Brunnen, Palmen, Bistros und einem lässigem Promi-Lokal à la Schumann’s (siehe Fünf Höfe) ist ebenso erwünscht wie tagesoffene Tempel der Künste, wo man in andere Welten abtauchen kann – lassen Sie sich besser beraten und widersetzen Sie sich auch – dann verstecken sich die gut situierten, nach neuem Kunst-Geist lechzend-suchenden, avantgardistischen und streetartigen und chicen Augsburgerinnen und Augsburger mit Zweitwohnsitz in München und an den oberbayerischen Seen auch nicht weiter auf ausgefallenen Privatparties, sondern trauen sich auch wieder nonchalant in die Augsburger City und fahren nicht mehr so oft nach München, sondern bringen so manchen Münchener gleich mit und neue Hotspots, Lieblingsplätze, Läden, Lokalitäten und neue kultivierte Coming Togethers entstehen. Fehlen bloß noch eine neue unterirdische Garage (in memoriam Prof. Ignaz Walter) und mehr Bewohner-Parkbuchten (sollen die Städter ihre Autos im Altbau unterm Dach parken?), begrüntes Tower-Terrassen-Wohnen wie beispielsweise im Bosco Verticale in Mailand, zwischen Bahnnhof und Fußgängerzone mehr Spielstraßen mit Schließung für den Durchgangsverkehr und mit Ruhebänken, Liegestühlen und Botanik (siehe Neuhausen und Nymphenburg im Sommer), Läden-Aufblühen mit Luxuslabels wie Gucci, Pucci und Louis Vuitton und ein Literaturhaus für anspruchsvolle Lesungen wie Begegnungen mit echten Menschen und eine Konzerthalle ähnlich der Muc-Isarphilharmonie, denn ihre neue Tonart muss die Stadt Augsburg jetzt und nicht morgen oder übermorgen finden! Als City-Maniac will ich endlich wieder in einer zukunftsweisenden, urbanen Stadt mit viel Grün, glücklichen Tieren und noch glücklicheren Menschen, Ästhetik und Architektur und Angeboten leben, die mein Lebensgefühl reflektieren, in der gegenseitige Wertschätzung wieder Standard ist und in der sich mehr Möglichkeiten bieten, sich nicht nur ausleben zu können, sondern auch in persona einzubringen – und zwar für uns alle. Denn, obgleich ich sehr gerne in anderen Städten verweile (je t’aime Paris), und manchmal das Weltmännische wie Weltfrauische hier vermisse, liebe ich Augsburg, auch wenn ich mich zu oft im Ärger finde, was alles nicht passt und doch so leicht zu erneuern wäre.. Augusta Vindelicorum, wake up into your future; Amicus FF, es ist höchste Zeit für die Ode an die Freu(n)d(e)!

